Futtermittel sind eine bedeutende Vorleistung für die Produktion tierischer Erzeugnisse. Darunter fallen Rau- und Kraftfutter, welche teilweise auch direkt von den Tierhaltern angebaut und verwendet werden (z.B. in Form von Grünland oder Futtergetreide). Zudem kaufen landwirtschaftliche Betriebe Futtermittel zu. Von diesen auf dem Markt bezogenen Futtermitteln (v.a. Kraftfutter) wird ein grosser Teil importiert. Dieser Bericht untersucht deshalb die Entwicklung der Importmengen der wichtigsten Futtermittel sowie die Entwicklung der durchschnittlichen Importpreise.
Berechnung gleitender Durchschnitt
Die prozentualen Entwicklungen von Mengen werden anhand gleitender Dreijahresdurchschnitte berechnet. Dadurch werden Ausreisser weniger stark gewichtet. Für die prozentuale Entwicklung der Jahre 2024 und 2014 wird beispielsweise die Durchschnittsmenge der Jahre 2022, 2023 und 2024 sowie die Durchschnittsmenge der Jahre 2012, 2013 und 2014 verwendet. Absolute Zahlen (z.B. die Importmenge 2024) in den Grafiken sind dagegen keine gleitenden Durchschnittswerte, damit der effektive Verlauf der Importmengen wiedergegeben wird.
Futtermittel können grob in energiereiche und eiweissreiche Futtermittel eingeteilt werden. Zu den wichtigsten importierten energiereichen Futtermitteln gehören Futterweizen, Futtermais und Futtergerste. Insgesamt hat der Import der betrachteten energiereichen Futtermittel von 2014 auf 2024 um 36 Prozent zugenommen. Am stärksten zugenommen haben dabei mit 99 Prozent die Futtermaisimporte. Der Import ist 2024 also in etwa doppelt so hoch wie 2014. Die Futterweizenimporte steigen im gleichen Zeitraum mit 17 Prozent deutlich weniger stark an. Der Import von Futtergerste ist rückläufig und liegt 2024 acht Prozent tiefer als 2014.
Anhand der inländischen Produktionsmengen von swiss granum lassen sich für diese Futtermittel grob die Importanteile für den Schweizer Markt abschätzen. 2024 werden demnach ungefähr 58 Prozent des in der Schweiz vermakteten Futtermaises importiert. Bei Futterweizen sind es 2024 83 Prozent und bei Futtergerste 32 Prozent. Der Importanteil hängt dabei auch mit Schwankungen der inländischen Produktion zusammen. Wird also in einem Jahr weniger in der Schweiz produziert – z.B. aufgrund schlechter Witterung – wird im Folgejahr mehr importiert.
IMPORT ENERGIEREICHE FUTTERMITTEL
Importmengen der wichtigsten energiereichen Futtermittel
in Tonnen
Die publizierten Importmengen beziehen sich auf die folgenden Zolltarifnummern: 1005.9039 - Futtermais, 1001.9939 - Futterweizen, 1003.9059 - Futtergerste.
* Daten provisorisch
© SwissImpex
Eiweissreiche Futtermittel werden grösstenteils für die Herstellung von Mischfutter verwendet. In der Schweiz spielt vor allem die Produktion von Rapskuchen eine Rolle. Dieser fällt als Nebenprodukt der Rapsölherstellung an.
Die wichtigsten drei importierten eiweissreichen Futtermittel sind Rückstände aus der Sojaölgewinnung (in der Regel Sojaschrot), Rückstände aus der Rapsölgewinnung (in der Regel Rapsschrot und -kuchen) und Rückstände aus der Stärkegewinnung (Weizen-, Mais- und Kartoffelkleber). Der Import dieser drei eiweissreichen Futtermittel in die Schweiz ist zwischen 2014 und 2024 insgesamt um sieben Prozent gestiegen. Von diesen drei importierten Futtermitteln werden mit Abstand am meisten Rückstände aus der Sojaölgewinnung importiert. Dies hat vorallem mit der grossen Wichtigkeit dieser Proteinquelle für die tierische Produktion und der kleinen inländischen Sojaproduktion zu tun. 2024 werden in der Schweiz nur rund 6000 Tonnen Sojabohnen zu Futterzwecken produziert. Demgegenüber werden 2024 über 235‘206 Tonnen Rückstände aus der Sojaölgewinnung importiert. Verglichen mit 2014 liegt der gleitende Dreijahresdurchschnitt der importierten Menge 2024 damit um neun Prozent tiefer.
Ebenfalls werden grosse Mengen an Rückständen aus der Rapsölgewinnung importiert: Der Import hat in den letzten Jahren stark zugenommen. So liegt dieser 2024 87 Prozent höher als 2014. Die inländische Produktionsmenge von Raps ist im gleichen Zeitraum ebenfalls leicht gestiegen (Δ24/14: +2%). Importe von Rückständen aus der Stärkegewinnung sind dagegen zwischen 2014 und 2024 ungefähr konstant geblieben (+1%).
IMPORT EIWEISSREICHE FUTTERMITTEL
Importmengen der wichtigsten eiweissreichen Futtermittel
in Tonnen
Die publizierten Importmengen beziehen sich auf die folgenden Zolltarifnummern: 2304.001 - Rückstände Sojaölgewinnung, 2306.4110 - Rückstände Rapsölgewinnung, 2303.1018 - Rückstände Stärkegewinnung.
* Daten provisorisch
© SwissImpex
Für die Analyse der wichtigsten Herkunftsländer der Futtermittel wurden die Daten von SwissImpex verwendet. Diese haben die Einschränkung, dass die Herkunft zwar erfasst ist, diese aber nicht mit dem Ursprungsland der Ware übereinstimmen muss. Wenn z.B. Soja aus brasilianischem Anbau in den Niederlanden weiterverarbeitet wird und das daraus gewonnene Sojaschrot in die Schweiz gelangt, wird bei SwissImpex die Herkunft Niederlande angegeben.
Die betrachteten Futtermittelimporte werden zu einem grossen Teil aus nur wenigen – hauptsächlich europäischen – Ländern bezogen. Besonders viel wird aus den Nachbarländern Frankreich und Deutschland importiert. Auch Importe aus Italien und Österreich spielen je nach Kultur eine wichtige Rolle.
Bei den Importen von Rückständen aus der Sojaölherstellung fallen über den betrachteten Zeitraum hinweg grosse Veränderungen bei den Herkunftsländern auf: Importe aus Italien und Deutschland haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Während 2014 nur zwei Prozent aus Italien und Deutschland stammen, sind es 2024 86 Prozent. Gleichzeitig hat der Import aus Brasilien stark abgenommen. Der Anteil importierter Rückstände aus der Sojaölherstellung aus Brasilien ist von 71 Prozent 2014 auf vier Prozent 2024 gesunken.
Importe von Nebenprodukten aus der Rapsölproduktion stammen primär aus Deutschland. Von 2014 bis 2024 lag dieser Anteil stets zwischen 78 Prozent und 93 Prozent. An zweiter und dritter Stelle folgen Importe aus Frankreich und Österreich. Deren Anteile liegen 2024 bei sieben respektive drei Prozent.
Rückstände aus der Stärkegewinnung kommen zwischen 2014 und 2024 überwiegend aus China – der durchschnittliche Anteil beläuft sich auf 74 Prozent. Die jährlichen Importanteile schwanken allerdings stark und liegen zwischen 91 und 33 Prozent. In den letzten Jahren ist jedoch ein Rückgang zu verzeichnen. Die provisorischen Daten von 2025 von SwissImpex verzeichnen indes keine Importe aus China über die entsprechende Zolltarifnummer. Frankreich und Österreich sind mit je 17 Prozent Anteil (Stand 2024) weitere wichtige Importländer.
Importiertes Futtergetreide stammt hauptsächlich aus Frankreich und Deutschland. Zwischen 2022 und 2024 stammt insgesamt 65 Prozent des Futtergetreides aus Frankreich und 25 Prozent aus Deutschland. Weitere wichtige Herkunftsländer sind Ungarn und Rumänien. Deren Anteil zwischen 2022 und 2024 beträgt insgesamt allerdings nur drei respektive ein Prozent.
HERKUNFT IMPORTE RÜCKSTÄNDE SOJAÖLGEWINNUNG
Zolltarifnummer 2304.001
in Tonnen
* Daten provisorisch
© SwissImpex
In der Schweiz wird das Schwellenpreissystem auf Futtermittelimporte angewendet. Mithilfe dieses Systems wird der Grenzschutz monatlich überprüft. Das Ziel ist, den heimischen Getreideanbau zu schützen und einheimische Produkte wettbewerbsfähig gegenüber Importen zu halten. Der Grenzschutz wird so bemessen, dass die Importpreise in etwa den Zielpreisen (Schwellenpreise resp. Importrichtwerte) entsprechen. Die Zollabgaben werden von den Importeuren – in der Regel Händler und Futtermühlen – entrichtet. Diese wirken sich so auch auf den inländischen Futtermittelpreis aus und ermöglichen dadurch den Absatz von in der Schweiz produzierten, teureren Futtermitteln.
Definition des Werts bei SwissImpex und Berechnung des Durchschnittspreises
Neben Mengendaten veröffentlicht SwissImpex ebenfalls den Wert pro Warengruppe. Dieser Wert bezieht sich auf die fakturierten Preise der Ware an der Schweizer Grenze zuzüglich Transport- und Versicherungskosten sowie sonstigen Kosten, abzüglich Rabatte und Skonti und exklusive Einfuhrabgaben.
Mit diesen Angaben aus SwissImpex kann näherungsweise der Importpreis franko Schweizer Grenze berechnet werden. Dazu wird pro Warengruppe der Wert durch die Importmenge dividiert. Dieser Durchschnittspreis ist jedoch nur eine Annäherung für die Importpreise franko Grenze, denn unterschiedliche Warenqualitäten (z.B. aus konventionellem und biologischem Anbau) werden unter derselben Zolltarifnummer importiert. Diese Mengenanteile innerhalb einer Warengruppe können sich über die Zeit verändern. Deshalb bedeuten Änderungen im berechneten Durchschnittspreis nicht unbedingt veränderte Warenpreise.
DURCHSCHNITTSSPREISE IMPORT FRANKO GRENZE
Energiereiche Futtermittel, unverzollt
CHF/100 kg
Die Durchschnittspreise ergeben sich aus dem Quotienten aus dem importierten Wert und dem importierten Gewicht, multipliziert mit hundert, je Zolltarifnummer.
* Daten provisorisch
© SwissImpex, BLW Fachbereich Agrardaten und Marktanalysen
Die verschiedenen energiereichen Futtermittel Mais, Weizen und Gerste sind Substitutionsprodukte. Das zeigt sich daran, wie ähnlich die Höhe der Durchschnittspreise liegen und wie ähnlich sich diese über die Zeit entwickeln. Substitutionsprodukte können einfach miteinander ersetzt werden. Das schlägt sich auf die Höhe und Entwicklung der Preise nieder. Sollte z.B. der Preis von Futtergerste steigen, kann sie einfach durch Futtermais resp. -weizen ersetzt werden. Das mildert den Preisdruck auf Futtergerste und erhöht den Preis von Futtermais resp. -weizen. Durch diesen Mechanismus gleichen sich die Preise wieder an. Die Preise der drei energiereichen Futtermittel liegen daher auch 2024 sehr eng beieinander. Der durchschnittliche Preis von Futtergerste liegt 2024 bei 22.6 CHF/100 kg, jener von Futterweizen bei 22.3 CHF/100 kg und der Durchschnittspreis von Futtermais beträgt 2024 22.4 CHF/100 kg.
Bei den eiweissreichen Futtermittel liegen die Preise deutlich weiter auseinander. Am höchsten liegt der durchschnittliche Preis für Rückstände aus der Stärkegwinnung (2024: 73.9 CHF/100 kg) gefolgt vom Preis für Rückstände aus der Sojaölproduktion (2024: 58.7 CHF/100 kg). Am tiefsten liegt der durchschnittliche Preis von Rückständen aus der Rapsölgewinnung (2024: 30.6 CHF/100 kg). Im Gegensatz zu den betrachteten energiereichen Futtermittel sind diese Futtermittel nicht so einfach substituierbar. Dies weil sie beispielsweise unterschiedliche Gehalte essenzieller Aminosäuren aufweisen.
DURCHSCHNITTSSPREISE IMPORT FRANKO GRENZE
Eiweissreiche Futtermittel, unverzollt
CHF/100 kg
Die Durchschnittspreise ergeben sich aus dem Quotienten aus dem importierten Wert und dem importierten Gewicht, multipliziert mit hundert, je Zolltarifnummer.
* Daten provisorisch
© SwissImpex, BLW Fachbereich Agrardaten und Marktanalysen
Die durchschnittlichen Preise von Futtermitteln franko Grenze sind zwischen 2014 und 2024 relativ stabil. Ausnahme sind die Jahre 2021 und 2022, in denen die Preise stark zunehmen. Der Grund für diese Preisturbulenzen war der Beginn des Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine und die damit verbundenen Unsicherheiten auf dem Getreidemarkt. Die Preise sinken 2023 und 2024 aber wieder und befinden sich 2024 mehrheitlich wieder auf dem Niveau von 2020.
Insgesamt entwickeln sich die Preise von importierten Futtermitteln unverzollt ähnlich wie die Einkaufspreise franko Schweizer Futtermühlen (siehe
Futtermittelbericht 2025). Allerdings sind die Schwankungen der inländischen Preise für Futtermittel weniger stark ausgeprägt. Dies hat mit dem Schwellenpreissystem zu tun. Grundsätzlich werden die Preise für Importe durch Grenzabgaben auf den Zielpreis angehoben. Somit schlagen Preise von Importen unterhalb der Zielpreise kaum auf die Preise inländischer Waren durch. Liegen die Preise von Importen jedoch über dem Zielpreis, werden keine Abgaben erhoben. Deshalb ist der Preisanstieg rund um das Jahr 2022 bei vielen Einkaufspreisen franko Mühle weniger stark ausgeprägt.
EINKAUFSPREISE FRANKO MÜHLE
Energiereiche Futtermittel, verzollt
CHF/100 kg
Die Preise (exkl. MWST) sind mengengewichtete Durchschnittspreise aus einer Stichprobe Schweizer Futtermühlen. Diese gelten für angelieferte Ware franko Mühle.
© BLW Fachbereich Agrardaten und Marktanalysen
Die Schweiz ist bei vermarkteten Futtermitteln stark vom Ausland abhängig. Mehr als die Hälfte der vermarkteten Mengen von Futtermais und Futterweizen stammt aus dem Ausland (2024: 58% resp. 83%). Vermarktete Futtergerste wird dagegen mehrheitlich im Inland produziert. Insgesamt hat der Import der betrachteten energiereichen Futtermittel von 2014 auf 2024 um 36 Prozent zugenommen.
Bei den eiweissreichen Futtermitteln ist die Importabhängigkeit noch ausgeprägter. Im betrachteten Zeitraum hat insbesondere der Import von Rückständen aus der Rapsölproduktion stark zugenommen. Gleichzeitig gehen die Importe von Rückständen der Sojaölgewinnung leicht zurück (Δ24/14: -9%) und bleiben bei den Rückständen aus der Stärkegewinnung ungefähr konstant (Δ24/14: +1%). Insgesamt steigen die Importe der betrachteten eiweissreichen Futtermittel damit von 2014 auf 2024 um 7 Prozent und damit weniger stark als die betrachteten energiereichen Futtermittel.
Die Herkunft der importierten Futtermittel konzentriert sich zunehmend auf wenige europäische Länder. Wichtige Herkunftsländer sind vor allem Frankreich und Deutschland. Die Preisentwicklung der importierten energiereichen Futtermittel verläuft aufgrund ihrer hohen Substituierbarkeit weitgehend parallel. Bei den eiweissreichen Futtermitteln sind die Preisunterschiede hingegen deutlich grösser, was auf unterschiedliche ernährungsphysiologische Eigenschaften zurückzuführen ist.
Die Durchschnittspreise franko Schweizer Grenze unverzollt der betrachteten Futtermittel verlaufen relativ stabil. Ausnahme ist der starke Preisanstieg aufgrund des Angriffs von Russland auf die Ukraine 2022 und die damit einhergehenden Engpässe und Unsicherheiten auf den internationalen Märkten. Die internationalen Preise sind seither wieder gesunken und befinden sich 2024 mehrheitlich wieder auf dem Niveau von 2020.