Veröffentlicht am 13. April 2026

Steigende Preise im Agrar- und Lebensmittelsektor: Preisentwicklungen seit 2020 interaktiv dargestellt

Früchte und Gemüse - infografik
Preisindizes
In den vergangenen Jahren sind die Preise in der Schweiz insgesamt gestiegen, auch im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor. Seit Dezember 2020 am Stärksten gewachsen ist der Importpreisindex für landwirtschaftliche Produkte (+36,7 %), gefolgt vom Importpreisindex für Nahrungs- und Futtermittel (+16,7 %), während Produzentenpreise moderat zulegten (zwischen +9-12 %) und die Konsumentenpreise für Lebensmittel mit +6,9 % den geringsten Anstieg verzeichneten. Mit einer neuen interaktiven Grafik können Sie diese Entwicklungen nun selbst erkunden! Sie können auswählen, vergleichen und eigene Beobachtungen machen, ganz nach Interesse. Mit der Grafik können Sie ähnliche Auswertungen jederzeit selbst nachvollziehen.
Fachbereich Agrardaten und Marktanalysen BLW
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© Stockfotos-MG

Was sind Preisindizes und wofür braucht man sie?

Preisindizes sind Kennzahlen, die zeigen, wie sich Preise im Durchschnitt über die Zeit verändern. Preisindizes helfen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Entwicklungen zu verstehen und Entscheidungen zu treffen. Im Folgenden werden vier zentrale Preisindizes für die Schweizer Agrar- und Lebensmittelmärkte vorgestellt.

Landesindex der Konsumentenpreise

Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) ist einer der wichtigsten Wirtschaftsindikatoren der Schweiz. Er zeigt, wie sich die Preise der Güter und Dienstleistungen verändern, die Haushalte im Alltag konsumieren, zum Beispiel Lebensmittel, Kleidung, oder wieviel sie für die Miete ausgeben. Der LIK macht damit sichtbar, wie stark sich die Lebenshaltungskosten über die Zeit verändern und wie viel mehr (oder weniger) Haushalte für dieselben Produkte bezahlen müssen als in früheren Jahren.
Ein bedeutender Teil des LIK entfällt auf Lebensmittel, die 9,4 % der gesamten Gewichtung ausmachen. Seit Dezember 2020 sind die Preise für Lebensmittel insgesamt um 6,9 % gestiegen. Anders gesagt: Im Juni 2025 mussten Konsumentinnen und Konsumenten für Lebensmittel im Durchschnitt 6,9 % mehr bezahlen als im Dezember 2020. Der grösste Teil dieses Anstiegs fand zwischen Januar 2022 und Juli 2023 statt: In dieser Zeit kletterte der entsprechende Index um 9,9 %. Seither hat sich die Preisentwicklung weitgehend stabilisiert, abgesehen von den üblichen saisonalen Schwankungen.

Produzentenpreisindex

Der Produzentenpreisindex (PPI) zeigt, wie sich die Preise für Waren und Dienstleistungen verändern, die von inländischen Unternehmen verkauft werden, d.h. bevor sie bei den Konsumentinnen und Konsumenten ankommen. Er macht sichtbar, wie sich Kosten auf Produktions- und Handelsebene entwickeln. Für Unternehmen ist der PPI relevant, weil er ihnen helfen kann, Kostenstrukturen im Blick zu behalten, Preise zu kalkulieren und langfristige Verträge zu planen. Auch für Konsumentinnen und Konsumenten ist er ein interessanter Indikator, da er oft frühzeitig Hinweise darauf liefert, wie sich die Konsumentenpreise entwickeln könnten.
Für die Landwirtschaft sind zwei Teilindizes des PPI besonders relevant. Erstens der PPI für landwirtschaftliche Produkte, der unverarbeitete Erzeugnisse wie Getreide, Gemüse oder Rohmilch abbildet. Zweitens der PPI für Nahrungs- und Futtermittel, der verarbeitete Produkte wie Fleischwaren oder Backwaren umfasst. Beide Indizes sind in den vergangenen Jahren relativ stetig gestiegen. Seit Dezember 2020 hat der PPI für Nahrungs- und Futtermittel um 11,7 % zugelegt, während der PPI für landwirtschaftliche Produkte um 9,6 % gestiegen ist. Letzterer weist jedoch stärkere Schwankungen auf, sodass diese Unterschiede teilweise auf temporäre Entwicklungen zurückzuführen sein könnten.

Importpreisindex

Der Importpreisindex (IPI) zeigt, wie sich die Preise für Waren und Dienstleistungen entwickeln, die aus dem Ausland in die Schweiz importiert werden. Er bildet somit die durchschnittlichen Kosten ab, die beim Einkauf von ausländischen Gütern auf dem Schweizer Markt entstehen.
Ähnlich wie beim PPI umfassen auch die entsprechenden IPI-Teilindizes sowohl unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse (z. B. Gemüse oder Rohmilch) als auch verarbeitete Nahrungs- und Futtermittel (z. B. Fleisch- oder Backwaren). Beide Indizes verzeichnen seit Dezember 2020 die höchste relative Teuerung unter allen hier betrachteten Indizes. Der IPI für Nahrungs- und Futtermittel ist seit Dezember 2020 um 16,7 % gestiegen. Ein Grossteil dieser Teuerung entfiel auf die Jahre 2021 bis 2023. Nach einer kurzen Abschwächung stiegen die Importpreise ab 2024 erneut.
Der IPI für landwirtschaftliche Produkte ist vergleichsweise stärker angestiegen. Bereits in den zweieinhalb Jahren seit Dezember 2020 legte er um 23,9 % zu. Danach blieb der Index bis Anfang 2024 relativ konstant, bevor er wieder stark anstieg. Im März 2025 erreichte der Index rund 143 Punkte: Das entspricht einem Anstieg von 42,9 % innerhalb viereinhalb Jahren. Ein Hauptgrund für diese Teuerung in dieser Periode waren höhere Preise für Kaffee und Kakao. Seit März 2025 ist der IPI für landwirtschaftliche Produkte zwar wieder etwas gefallen, bleibt aber weiterhin der Index mit der stärksten Gesamtsteigerung der letzten Jahre.

Einkaufspreisindex landwirtschaftlicher Produktionsmittel

Während der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) die Entwicklung der Lebenshaltungskosten der Haushalte zeigt, macht der Einkaufspreisindex landwirtschaftlicher Produktionsmittel (EPI) sichtbar, wie sich die Kosten für landwirtschaftliche Betriebe verändern. Er misst die Preisentwicklung von Gütern und Dienstleistungen, die landwirtschaftliche Betriebe für ihre Arbeit benötigen, wie etwa Maschinen, Rohstoffe oder Energie. Damit gibt er einen Überblick darüber, wie stark Landwirte und Landwirtinnen durch steigende oder sinkende Produktionskosten belastet sind.
Der EPI ist, wie alle hier aufgeführte Preisindizes, seit Dezember 2020 insgesamt gestiegen. Der Index liegt mit einem aktuellen Wert von 113,6 deutlich über dem Ausgangsniveau, wobei der grösste Teil der Teuerung auf die Jahre 2021 und 2022 entfiel. Er erreichte im Januar 2023 seinen Höchststand, was einer relativen Teuerung von 16,6 % seit Dezember 2020 entspricht. Diese Entwicklung ist unter anderem auf gestiegene Dünger- und Treibstoffpreise zurückzuführen, die im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und der Corona-Krise deutlich angezogen haben. Anschliessend sank der Index zwischen Januar und Juli 2023 um 3,1 Prozentpunkte. Seither hat sich die Entwicklung stark abgeflacht: In den vergangenen zwei Jahren bewegte sich der EPI stabil zwischen 113 und 115 Indexpunkten, ohne grössere Schwankungen zu zeigen.

Fazit: Unterschiedliche Entwicklung der Preisindizes im Agrar- und Lebensmittelsektor seit 2020

Der Blick auf die vier Preisindizes zeigt deutlich: Die Preise im Agrar- und Lebensmittelsektor sind seit 2020 insgesamt gestiegen. Ein Grossteil dieser Teuerung konzentrierte sich jedoch auf die Jahre 2021 bis 2023. Die starke Preisentwicklung in dieser Phase lässt sich auf mehrere Ursachen zurückführen, unter anderem auf die Corona-Krise, den Krieg in der Ukraine sowie die damit verbundenen Störungen globaler Wertschöpfungsketten. Besonders stark verteuert haben sich in dieser Zeit landwirtschaftliche Produktionsmittel und importierte Produkte.
Im Vergleich dazu haben sich die anderen hier betrachteten Indizes seit 2023 weitgehend stabilisiert. Gleichzeitig verläuft die Entwicklung nicht einheitlich: Die Produzentenpreise für landwirtschaftliche Produkte sind im letzten Jahr weiter gestiegen, während die Konsumentenpreise für Lebensmittel leicht gesunken sind. Ob dies nur eine kurzzeitige Entwicklung ist, wird sich noch zeigen, doch hat die jüngste Teuerung Produzenten und Produzentinnen sowie Händler somit relativ stärker belastet als die Konsumentinnen und Konsumenten. Landwirtschaftliche Produktionsmittel bleiben weiterhin deutlich teurer als zu Beginn des Jahrzehnts, auch wenn sich ihre Preise in den letzten Jahren stabilisiert haben.
Die neue interaktive Grafik hilft dabei, diese Unterschiede seit Dezember 2020 sichtbar zu machen: Sie zeigt, wie sich die Indizes zeitlich überlagern, wo sie auseinanderdriften und in welchen Jahren bestimmte Preisbewegungen besonders ausgeprägt waren. Erstellen Sie selbst eigene Visualisierungen und Analysen der verschiedenen Indizes der letzten Jahre!

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